Tierische Begegnungen...

Vom Pferd zum Papagei... 

Aus einer Reiterfamilie stammend, wurde ich Zeuge, wie sich der Turniersport oft Ausbildungsweisen zur Leistungssteigerung der Pferde bediente, die ich nicht mit mir vereinen konnte. Nicht wenige Tiere blieben dabei physisch und psychisch auf der Strecke.  Nach neuen Wegen suchend, um einer dieser gequälter Kreaturen zu helfen, einem großen Holsteiner aus der bekannten Ladykiller Linie,  kam ich Anfang der 90er Jahre zu Pat Parelli/USA und Bürger Gieseke/BRD und so auch zu den Seven Games. Auch Monty Roberts/USA und Linda Tellington -Jones/T-Touch/Kanada prägten meinen weiteren Werdegang. Natural Horsemanship hieß das Ziel. 


Im Mittelpunkt der Arbeitsweisen steht das natürliche Verhalten der Pferde, das angeborene, wie das erlernte. Es gilt dies zu erkennen, zu verstehen und zu respektieren.  Respekt statt Peitsche, Vertrauen und Partnerschaft statt Sportgerät.  Damals in der Reiterei ein völlig neues Konzept und in Europa keineswegs anerkannt, geschweige denn akzeptiert. Ähnlich ist die Situation des Papageientrainings heute, wobei sich hier zunehmend eine Akzeptanz abzeichnet, was man auch daran erkennt, dass das Angebot an "Papageientrainern" wächst. Ich begrüße dies und hoffe, dass sich hieraus ein seriöser Erfahrungsaustausch entwickeln wird. Doch davon sind wir noch weit entfernt. Einige der Damen und Herren sind ehemalige Teilnehmer meiner Seminare. Aber zurück und auf Anfang:

Nur ein kleines Beispiel nach drei Wochen Training und Anwendung der "Seven Games" konnte ich den riesigen Wallach  (Stockmaß 186 cm) alleine, auf ein feines Signal (nicht mehr als ein kleiner Fingerzeig), unter den staunenden Augen von gestandenen Turnierreitern, in einen Pferdehänger schicken. 

Zuvor war das Verladen des Riesen, sowohl für ihn als auch für die Crew lebensgfährlich gewesen, denn er stieg, keilte aus und wehrte sich, was das Zeug hielt. 


Ähnlich verhielt er sich auch unter dem Sattel. Dieses Pferd war bei einem professionellen Bereiter zur Ausbildung abgegeben worden. Der enorme Ehrgeiz des Bereiters und das höchst sensible Wesen des Wallachs kollidierten miteinander. Das Ergebnis war ein Vierjähriger, der kaum noch einen Reiter duldete.  Sein Weg war vorbezeichnet - Endstation Abdeckerei. Zwei Monate später ritt ich dieses Pferd ohne Gebiss, nur mit einem Halfter in der Halle wie im Gelände. 

Aus diesem Wallach, einem meiner ersten Schützlinge, welcher zuvor ohne Vorwarnung stieg, seine Reiter reihenweise in den Sand befördert hatte, das vor jedem Schatten, jeder Pfütze scheute, wurde ein großartiger Partner im Gelände, der nie wieder einen Menschen aus dem Sattel geworfen hat, geschweige denn auf andere Weise einem Menschen gefährlich wurde. 


In den Jahren arbeitete ich mit weiteren Pferden.  Stuten, Wallache, Hengste, große Pferden wie auch kleine pfiffige und besonders ausgebuffte Ponys, die ihre Besitzer an den Rand des Wahnsinns oder in die Verzweiflung  trieben, wurden zu meinen Schützlingen. 

Viele zeigten zunächst problematische Verhalten, galten als unreitbar, bissen und traten. Aber zunehmend kamen auch "rohe" gänzlich ungerittene Pferde zu mir, junge wie alte. Meine, über Jahre gesammelten Erfahrungen, halfen vielen Pferden und ihren Besitzern. Die allermeisten, bereits als Schlacht- oder nur noch als Beistellpferde, abgeschriebenen Tiere konnte ich rehabilitieren, jungen Pferden in ihrer Ausbildung vermittlen, dass der Mensch ein verlässlicher Partner sein kann. Menschen zeigte ich, wie sie ihre Pferde verstehen und mit ihnen zu kommunizieren lernen konnten. Das war für mich eine sehr sehr erfüllende Zeit. 


Dann kam der Supergau: Bandscheibenprobleme in LWS und BWS zwangen mich aufzuhören. Das war für mich ein sehr schwerer Schritt, schließlich hing mein Herz an diesen wundervollen Geschöpfen, die mich Jahrzehnte begleitet hatten und auch heute noch liebe ich diese wundervollen Geschöpfe. Deshalb verstehen Sie sich, dass ich diese Arbeit nicht ganz aufgeben kann und seither hier noch Freunden beratend zur Verfügung stehe, was ich gerne tue. 

Was kann es schöneres geben, als die Nase in das warme Fell eines Pferdes zu drücken? 

Dazu kann ich sagen, dass ich mindest genauso leidenschaftlich zum Beispiel den Duft meiner Aras und Rostkapppapageien inhaliere. Meine Liebe gilt auch den Papageien und das kommt nicht von ungefähr. Ich wuchs mit drei wunderbaren Aras auf. Wie bei den Pferden, wiederholt sich auch in der Sittich- und Papageienhaltung manches. 

Auch hier treffe ich sehr oft auf missverstandene Tiere, die im Lauf der Zeit, bedingt durch ein falsches Handling oder eine ungünstige Haltung, problematische Verhalten entwickeln. Ich weiß, auch diesen Tieren kann in vielen Fällen geholfen werden. Denn Verhalten ist, das mag für Laien zunächst seltsam klingen, universell und nicht in Stein gemeißelt.  

Wie kann das Wissen um das Verhalten und Lernverhalten von Pferden in der Arbeit mit Vögeln helfen? Das sind doch zwei völlig verschiedene Wesen mit unterschiedlichen artspezifischen Verhalten.

Mit Papageien arbeite ich natürlich nicht nach den  "Seven Games". Die Methode, nach der ich mit den Vögeln arbeite, ist aber dennoch wissenschaftlich anerkannt und auf Menschen und Tiere anwendbar. Erfolge sind belegt. 

In den Grundlagen wird Verhalten immer, unabhängig von der Kreatur, von den selben Auslösern, inneren, wie äußeren Einflüssen, ausgelöst und beeinflusst. Also spielt es für uns keine Rolle, ob wir mit einem Pferd, einem Goldfisch oder einem Papageien arbeiten. Wichtig ist allerdings, dass man Besonderheiten (Raubtiere besitzen ein anderes Verhaltensrepertoire als Fluchttiere, Schwarmtiere wieder anders als Herdentiere) und Bedürfnisse, Lebensweisen der Arten kennt, ihre Körpersprache versteht und damit arbeiten kann. 

Die Methode kurz erklärt beinhaltet, dass wir  Verhalten positiv beeinflussen  "umformen" können, in dem wir  ein Ersatz- oder neues Verhalten anbieten. Dieses Ziel erreichen wir in sehr vielen kleinen Teilschritten, die man als Etappen oder Teilziele bezeichnen könnte, und die immer positiv verstärkt werden. Mit jedem winzigen Lernerfolg und der hierdurch vermittelten Freude formen wir ein Verhalten um. Man nennt es auch das Shaping. 

Neben Pat Parelli, Linda Tellington Jones, Monty Roberts oder Birger Gieseke in der Arbeit mit den Pferden, prägten mich in meinen  freien Studien zum Verhalten und Lernverhalten von Papageien vorallem  Prof. Dr. Susan Friedman/USA, Professorin an der Uta State University oder Iwan Pawlow,  Skinner, John B. Watson, Konrad Lorenz, um nur einige zu nennen. Über Prof. Dr. Friedman,  führte mich mein Weg auch zu Markus Kreft, einem in England lebenden Deutschen, der sich ebenfalls mit Papageienverhalten befasst. Er war noch nicht mein "Pat Parelli", aber ich lernte in Zusammenarbeit mit ihm, sehr viel in der  Theorie und über wissenschaftlichen Zusammenhänge.  


Anfang 2011 begegnete ich Barbara Heidenreich/USA,  begann mich mit ihr auszutauschen und ludt sie als Referentin nach Deutschland ein. 2013 fand darauf der 1. Workshop für Papageientraining mit ihr statt.  

Während des Workshops half ich Teilnehmern das Barbaras Erklärungen umzusetzen. Sie war es auch, die mich bereits 2012 nach regem fachlichem Austausch ermutigte, endlich mein Wissen in praktischer Arbeit umzusetzen und Clever-Birds zu gründen. Dafür bin ich auch heute noch sehr dankbar. Thank you, Barbara.


Heute wird meine Arbeit von vogelkundigen Tierärzten empfohlen und immer wieder besuchen sie auch meine Seminare.  Seit ich Clever-Birds ins Leben gerufen habe, sind hervorragende Kooperationen zur gegenseitigen Unterstützung und Zusammenarbeit entstanden.  

Um nur einige zu nennen:  Dr. Gerd Britsch, Dr. Mandy Carnarius, Dr. Fritz Karbe, Dr. Heike Reball, Dr. Andrea Kohls, Dr. Anne Piepenbrink,  der Biologe Dennis Nagel, die Verhaltensforscherin Karina Beck, Dr. Raoul Schwing - Kognitionsforscher am Institut Haidlhof bei Wien, John David Bauder, Dr. Peter Sandmeier/Schweiz, Markus Klamt - angehender Zoologe in Wien, Rudolf Christian, Gerhard Rübesam, Tony Silva - Papageienexperte aus den USA, auch Chris Biro/USA oder Christine Davis/USA. 

Kooperationen, der gemeinsame Erfahrungsaustausch mit erfahrenen vogelkundigen Tierärzten, Trainern in den USA, Züchtern, Biologen und Zoologen, sind enorm wichtig in meiner Arbeit. Wir stehen ständig in einem Prozess der Weiterentwicklung.  Der Erfahrungsaustausch hilft diese zu fördern und die Papageienhaltung ins 21. Jahrhundert zu führen.

Seit ein paar Jahren gebe ich nicht nur Seminare und Vorträge in Deutschland, ich werde auch ins Ausland eingeladen. So referiere ich regelmäßig in Österreich und der Schweiz. Auch in Ungarn war ich eingeladen.  

Zum Abschluss möchte ich anmerken, natürlich kann ich nicht alles wissen. Es wäre vermessen, dies zu behaupten und vermutlich auch der Anfang vom Ende. Wer aufhört seine eigene Leistung zu hinterfragen, hört auf besser werden zu können. Ich bleibe offen  für weitere Erfahrungen, denn man lernt nie aus. 

Mit herzlichem Gruß 

Claudia Schlüter