Von Brauchen und Wollen...

26.06.2019

Kennst du das Buch von Napoleon Hill "Think and Grow Rich". Es ist zwar kein Buch über Papageien und Sittiche, aber es war ein Bestseller und recht informativ.

Übersetzt bedeutet der Titel übrigens: Denk nach und werde reich. Bis auf ein Kapitel, handelt es sich um ein interessantes Buch, jedoch glaube ich, dass genau wegen dieses einen Kapitels das Versprechen des Autors, dass man reich wird, wenn man nachdenkt, jedenfalls im monetären Sinn, nicht zutrifft.

Es wird beschrieben, wenn man erfolgreich werden will, so müsse man etwas finden, was einen "Bedarf" darstellt. Man soll also herausfinden, was Menschen brauchen. Auf den ersten Blick klingt das logisch, aber leider funktioniert das nicht. Jedenfalls auf den Menschen bezogen. Der ist nämlich ganz anders getaktet. Wie will man sich sonst unsere Konsumverhalten erklären? Immer das aktuellste Handy, ein noch größeres und schnelleres Auto, unbedingt die Jeans, der Schuh, das Hemd von Marke XY…

Brauchen wir das? Eigentlich brauchen wir nur Schutz für unseren fast haarlosen Körper in Form von einer wärmenden und schützenden Kleidung. Da könnte auch, je nach Region der „jute“ Jutesack reichen. Was brauchen wir noch? Nahrung im Wert von zirka 2.000 Kalorien pro Tag und ein trockenes Plätzchen. 

Aber wie schon erwähnt, der Mensch ist anders getaktet, deshalb hat er so vieles erfunden und ist bereit Kriege zu führen, für das Mehr, Besser, Schöner, Reicher…

Was ich aber nicht verstehe ist, geht es um unsere Sittiche und Papageien, dann hört das Streben nach besser, schöner, größer… schnell auf, was nicht unbedingt positiv ist. Hier hört man dann Aussagen wie: „Der Käfig ist nur für die Nacht“, „was – soweit soll ich zum Tierarzt fahren“, „ich habe mein Futter bei xy gekauft, da ist es billiger“, „ein Partnervogel, der ist mir jetzt zu teuer“, „ich habe für meinen Grauen nur XY Euro bezahlt“, „ich habe für keinen Vogel bezahlt“, „eine Beratung ist mir zu teuer“, „wieso eine teure Eingangsuntersuchung, der Vogel ist nur einen Bruchteil der Kosten wert“…

Und wenn es dann schief geht, mit der Haltung am untersten Limit des Bedarfs: "Das reicht so!", wird sich beklagt. Ich würde mir wünschen, dass man in der Sittich- und Papageienhaltung weniger auf das Brauchen achten würde, sondern einfach mehr für seine Vögel "wollen" sollte. Im Endeffekt wissen wir, dass dieses Wollen dann erfüllt, was wirklich gebraucht würde… 

 

Think big and grow. 

Übersetzt: Denke groß und wachse. 

 

Deinen Vögeln zu liebe, helfen wir dir dabei. www.clever-birds.de

Eure Claudia Schlüter

Nein - ein Target ist kein Stöckchen-Taxi


Vom 11. April 2019

 

Manchmal, wenn ich so durchs Netz surfe, frage ich mich, warum ist Papageientraining, was es bedeutet und wie man es durchführt, vielen Papageienbesitzern völlig unbekannt? Und warum halten sich vehement recht irrige Ansichten, wie man mit ängstlichen oder bissigen Vögeln umgehen sollte? 

Woher ich das weiß, das Internet ist voll von entsprechenden Einträgen und Posts, und auch ich habe vor vielen Jahren völlig unsinnige Tipps erhalten. Zum Glück ging mir sehr schnell ein Licht auf und ich begann nach Alternativen zu suchen und wurde fündig. 
Seither weiß ich, es geht anders und sehr viel einfacher und erfolgreicher. Glauben Sie mir, ich bin wirklich kein Doktor Dolittle, also frage ich mich, warum erkennen so viele Papageienhalter nicht auch die Vorteile?


Ganz besonders oft sind es scheinbar die Großpapageien, die nicht in die Voliere zurückkehren wollen, die Angst vor Händen haben, neues Spielzeug verschmähen, gerne mal beißen, eingefangen werden müssen, wenn sie Medikamente bekommen oder in die Transportbox müssen, sich nicht duschen lassen... 

Viele Besitzer können ihre Vögel nicht einmal wiegen, dabei ist die wöchentliche Gewichtskontrolle  sehr wichtig zur Gesundheitsüberwachung. 

Die Liste der Probleme im täglichen Umgang ist lang. 


Erst kürzlich las ich wieder eine Mitteilung, worin sich ein Mensch beklagte, dass sein Papagei Angst vor der Hand hätte. Die Erklärung dafür wurde auch gleich mitgeliefert. Der als Naturbrut aufgezogene Vogel litt vermutlich unter einem Trauma, weil er von Menschenhänden beringt worden war. In einem anderen ähnlich lautenden Post, wurde als Grund das Federziehen vermutet. So mancher Papagei muss sich dieser Prozedur unterziehen, damit man die Feder ins Labor schicken kann, etwa um einen Virentest oder eine Untersuchung auf das Geschlechtsgen durchführen zu können. 


Mal Hand auf Herz. Papageien haben hervorragende kognitive Fähigkeiten. Das ist wissenschaftlich bewiesen. Und ja, sie können sich auch sehr gut erinnern. Dieses Erinnerungsvermögen macht es möglich, dass unsere Vögel zu lernen imstande sind. Schlechte wie positive Erfahrungen formen das Verhalten der Papageien. Wir trauen ihnen also permanent zu, dass sie, bedingt durch diese Gedächtnisleistung so leicht zu traumatisieren sind. Durch das Ziehen einer Feder… Durch das Beringen… Durch eine Untersuchung beim Tierarzt… Durch das Einfangen… Wir trauen uns aber irgendwie nicht zu hinterfragen, dass wir die Ursache dafür sind, dass jetzt, wo es dem Vogel doch gut bei uns geht, sich dieses Verhalten kaum oder gar nicht bessert. Und ja, es liegt nicht am Papagei, es liegt an uns. Da mag jetzt provokant klingen, so ist es auch gemeint.


Es ist richtig, dass unsere Vögel sich an, für sie mit unangenehmen Erfahrungen besetzte, Ereignisse erinnern. Aber – genauso können sie sich auch an positive Ereignisse erinnern. Und wenn wir der Theorie, der Lehre von Dr. Susann Friedman folgen, dann ist das Lernen, gepaart mit Freude, die effizienteste Methode zum Lernerfolg. Ich kann das aus unserer täglichen Arbeit bestätigen. Alle unsere Vögel freuen sich, wenn wir sie ins Training nehmen. Sie brauchen nur zu sehen, dass wir einen Clicker oder Target in der Hand halten,  da sind sie nicht mehr zu bremsen. Jeder will der erste sein. 


Ich frage Sie: Warum nutzen wir das hervorragende Erinnerungsvermögen unserer Mitbewohner nicht, um die traumatischen Ereignisse durch freudige Erfahrungen abzulösen? Warum fördern wir nicht, dass Papageien und Sittiche lernen dürfen, dass Hände durchaus freundlich sein können? Warum stellen wir die falschen Fragen und folgen zwar gut gemeinten, aber wenig zielführenden Tipps? Manchmal, wenn ich so surfe und die Mitteilungen lese, fällt mir ein Filmtitel ein: "Täglich grüßt das Murmeltier". So fühlt es sich an, wenn man immer und wieder an den selben Punkt gerät. Das nennt man auch Stagnation. Dabei gibt es sie doch, die Vorbilder, die Wegbereiter, die, die uns erfolgreich lehren, wie es wirklich funktioniert. 


Wir wissen, aus eigener Erfahrung, denken wir einmal an unsere Schulzeit zurück, dass uns das Lob eines Lehrers viel stärker motivierte, als der Tadel. Wurden wir gemaßregelt, fühlten wir uns oft öffentlich blamiert. Das tat weh. Ich frage Sie, wurden Ihre Noten dadurch besser?  Sehr wahrscheinlich bei den wenigsten von uns. Wir brauchen ja nur einmal versuchen in Erinnerung zu rufen, um welchen Stoff es ging. Der Lehrer ist uns noch präsent, auch das Fach. Aber sitzen die Binomischen Formeln deswegen heute noch? Erinnern wir uns aber an ein echtes Erfolgserlebnis aus der Schulzeit. Dann erinnern wir uns in der Regel nicht nur an den Namen des Lehrers und das Fach, in dem wir brillierten, sondern können den Stoff der Klausur auch heute noch. 


Lange Rede kurzer Sinn. So ähnlich ergeht es unseren Papageien auch. Wir können ihnen helfen, ob sie nun ängstlich oder aggressiv sind, indem wir ihnen Freude am Lernen vermitteln. Am einfachsten geht das, wenn wir ihnen in winzigen Schritten helfen zu verstehen, was wir von ihnen wollen und wie sie dorthin gelangen. Hat ein Vogel Angst vor der Hand, ist das überhaupt nicht schlimm. Dank seines Erinnerungsvermögens kann er lernen, diese Angst zu überwinden. Und zwar wenn er lernen darf, sich in winzigen Schritten, vielleicht Tag für Tag oder Woche für Woche, dieser Hand zu nähern und dass dabei nichts Schlimmes passiert. Im Gegenteil, es lohnt sich für ihn, er erhält dafür etwas ganz Besonderes und er darf das Tempo bestimmen. 

 
Ähnlich wie vielleicht der ein oder andere von uns das Glück hatte, mit einem guten Nachhilfelehrer das Trauma in Mathe, Latein oder Chemie zu überwinden, können wir mit einer bewährten Methode, die darauf basiert, dass Lernen auch unseren Vögeln Freude machen kann, unseren Vögel helfen, Hürden zu überwinden. Und nein, Target bedeutet nicht, dass man die Sache mit dem Stock schon nutzt, wenn der Vogel auf diesen steigt. 

Auch wenn hier als Target ein „Stöckchen“ verwendet wird, dann ist er trotzdem kein Stöckchen-Taxi. 


Es gibt inzwischen viele gute Möglichkeiten das Training mit Papageien zu lernen. Der eine zieht das Wissen aus Büchern, der andere findet im Internet Hilfe und wieder andere lassen sich von Coaches - wie wir es sind - anleiten. Welchen Weg man auch nimmt, es ist der richtige, wenn es funktioniert. Woran man das merkt? Ganz einfach, am Erfolg. Hat man die Methode richtig verinnerlicht, sitzt das Timing und der Verstärker, stimmt der Trainingsplan, dann braucht es keine Jahre um Erfolg zu haben. 

 
So wie wir heute, lange Jahre nach unserem Schulabschluss, täglich Neues lernen können, so können das auch unsere Papageien. Junge Vögel lernen leicht und schnell. Sie haben im besten Fall einfach noch nicht so viele Erfahrungen gesammelt und dadurch Verhalten entwickelt, die es umzuformen gilt. Was wir übrigens mit Shaping bezeichnen. 

Älteren und entsprechend „erfahrenen“ Vögeln sollte man mehr Zeit zugestehen, das Negative abzulegen und durch Positives zu ersetzen. Aber es lohnt sich, denn so lange die Gedächtnisleistung funktioniert, so lange ist auch Lernen möglich. 

 







Eure Claudia Schlüter

 

P.s. Ich habe auf meine Fragen viele Antworten gefunden und nutze sie heute beruflich. Aber was ich immer noch nicht verstehe ist, warum die Vorteile des Papageientraining sich immer noch so vielen Menschen nicht erschließen. Dabei ist es so einfach, Freude an seinen Vögeln zu haben und ihnen ein besseres Leben in menschlicher Obhut zu ermöglichen. Wenn Sie mir nicht glauben, kein Problem. Fragen Sie einmal einen fachkundigen Tierarzt, was der dazu sagt. Er weiß es sehr zu schätzen wenn ein, auf die Situation beim Tierarzt durch Training, vorbereiteter Papagei zu ihm kommt. 

Mal laut nachgedacht...

27. März 2019

Eigentlich habe ich mir vorgenommen, nicht unter Posts auf Facebook oder in anderen Socialmedias zu schreiben, und wenn es mir noch so unter den Nägeln brennt. Der Hintergrund ist, dass Meinung sehr oft höher bewertet wird als Fachwissen. Außerdem herrscht und hier handelt es sich ebenfalls um eine Meinung, der Tenor, dass es höchst unmoralisch anzusehen ist, dass wir mit unseren Dienstleistungen rund um das Thema Papageienhaltung/-verhalten Geld verdienen. 
Um diesen Tenor zu untermauern, wird von manchen unser dieses Fachwissen einfach abgesprochen. Die Folge ist, dass einige glauben gemacht werden, dass die Erde wohl immer noch ein Scheibe ist und wir sind Ketzer, die auf dem Scheiterhaufen verbrannt gehören. Ich glaube, ich bin „non-flammable“ und deshalb… 

geht es einfach mit mir durch und dann melde ich mich doch zu Wort. Nicht weil ich der Meinung bin, dass ich was zu sagen habe, sondern weil ich weiß, dass viele Ratschläge zwar gut gemeint, aber fachlich eben nur eine Meinung darstellen. In meiner täglichen Arbeit, sowohl im Verlag als auch bei Clever-Birds sehe ich viele Vögel, die gerade deswegen leiden. Papageien sind, entgegen der Meinung vieler Halter, eben keine Haus- oder Kuscheltiere. Sie können durchaus als Heimtiere bezeichnet werden, die Definition ist zutreffend, manche sind sehr zahm und „kuschelig“, aber leider sehr viele mehr, sind es eben nicht. 

Die Ursache für die Entwicklung problematischer Verhalten liegt, im falschen Umgang mit den Vögeln, der auf Interpretation und Missverständnissen beruht. Hier ist Meinung zu Ursachen, Umgehens- und Vorgehensweisen völlig kontraproduktiv. Warum ist es so schwer sich von Meinungen zu lösen und sich wissenschaftlich belegten Methoden zu öffnen? Benimmt sich ein Hund nicht, gibt es Probleme, wird dem Halter ganz selbstverständlich empfohlen sich an einen Profi zu wenden. Zum Betrieb einer Hundeschule wird eine Sachkundeprüfung verlangt. By the way: Wir haben auch eine Sachkundeprüfung abgelegt.

Aber sobald es sich um unsere Vögel dreht, erscheint es oft völlig abwegig, den Weg zum Profi zu suchen? Wer Veränderung will, muss sie zulassen. Natürlich kann man versuchen diese Veränderung, zum Beispiel wenn ein Papagei beißt, selber zu lösen. Aber wenn ich lese, dass dazu Decken über Käfige gehangen werden, Vögel zur Bestrafung quasi in die Stille Ecke geschickt werden, dann fühle ich mich ins Mittelalter zurückgesetzt. Das ist nicht als Vorwurf gemeint. Angesichts dieser Praktiken fühlt man sich ohnmächtig, weil es anders und viel einfacher geht und ich glaube, dass meine „Kollegen“ ebenfalls über solche Methoden den Kopf schütteln. „Verhalten ist nicht in Stein gemeißelt“, es kann durch andere Verhalten ersetzt werden, im positiven wie negativen Sinn. Ihre Vögel lernen und zwar ständig und es hängt von Ihnen ab, was und in welche Richtung es sich entwickelt. Damit Papageien und Sittiche die Chance erhalten, freundliche Verhalten zu lernen, braucht der Mensch Wissen über Verhalten, angeborene und erlernte und wie Papageien lernen. Wissen ist der Schlüssel zum freundlichen Vogel, nicht Meinung. 

Wenn ich dann lese, dass ein Papagei als böse bezeichnet wird, bin ich erschüttert und es fällt mir ein Gespräch mit einem Taxifahrer ein, dessen Dienste ich unlängst in Nürnberg auf dem vierten Exotentag in Anspruch nahm. Wir sprachen zwar nicht über Papageien, sondern über Politik, aber in dem Zusammenhang auch über Macht und wie Menschen manipulieren und manipuliert werden. 

Er sagte, dass Tiere nicht „böse“ sein können, dass das Böse erst durch den Menschen in diese Welt gebracht wurde. Ich will hier gar nicht philosophisch in die Tiefe gehen oder wissenschaftlich ergründen, was ist „böse“. Das würde den Rahmen sprengen. Aber heute stolperte ich über eine Aussage beziehungsweise Meinung zu einem Papagei, der als böse bezeichnet wurde. Kein Papagei ist böse. Er reagiert und zwar auf die unmittelbare Situation, begründet auf Lernerfahrungen in der Vergangenheit. Sein Antrieb ist sich oder seine Ressourcen zu schützen. Wird aus Missverständnissen heraus sein Verhalten falsch interpretiert und diesem hieraus falsch begegnet, dann lernt er, aber sicher nicht, was wir uns wünschen.

Erfahren Papageien wie zum Beispiel die beiden Graupapageien meiner Kollegin von Anbeginn des Kontakts zum Menschen ein faires und korrektes Handling, dann werden sie sich fair und freundlich verhalten. Sie werden mitteilen, wenn ihnen etwas missfällt und zwar auf angemessene Weise. Versteht der Mensch die Körpersprache des Vogels von Anfang an, ist der Papagei nicht genötigt zum äußersten Mittel wie Flucht oder Angriff zu greifen. Vögel, die vermeintlich ohne Ankündigung angreifen, haben gelernt, dass man ihre Sprache nicht versteht. Wozu also noch lange diskutieren… . Hier gilt es, die Papageien aus dieser verkürzten Reizschwelle und Reaktion wieder in eine normale Kommunikation zu führen. Dazu muss der Vogel lernen, dass wir ihn verstehen und respektieren. Das kann man mit dem Studieren von Körpersprache und Training unterstützen. 

Ruby und Onyx sind beide sehr freundliche und kommunikative Vögel. Sie sind zuverlässig, beißen nicht, weil sie nie etwas anderes erfahren haben als, der Mensch versteht und respektiert mich. Zudem durften sie durch Training lernen zu vertrauen. Das habe wir auch bei unseren alten „Gebrauchten“ und bei vielen Kundenvögeln bewirkt. Manchmal dauert es länger, manchmal geht es schnell. Das ist von vielen Faktoren abhängig. Aber unsere Methode basiert immer auf den gleichen Grundlagen. Wir arbeiten nicht nachdem wir uns eine Meinung gebildet haben, sondern nachdem wir eine Analyse erstellt haben. Wir experimentieren nicht, sondern nutzen Strategien, die sich wissenschaftlich begründet und bewährt haben. Wir verfolgen weiterhin die Ergebnisse von Studien, bleiben offen für neue Erkenntnisse und suchen den Austausch mit anderen Experten, wie zum Beispiel auf Tagungen wie in Nürnberg, wo sich auch immer das direkte Gespräch und der Austausch ergibt. 

Kurz nochmal zur Meinung: Eine Meinung ist immer eine persönliche Ansicht oder Einstellung. Wer eine Meinung besitzt, handelt aus Überzeugung, die sein Urteil bestimmt. Diese sehr menschliche Eigenschaft, sich eine Meinung zu bilden, wird gerne aus- und benutzt. Manchmal sehr offen und manchmal durch die Hintertür. So wird Politik gemacht, so wird verkauft, so wird manipuliert. Das geschieht im Großen wie im Kleinen. Ob in einer Facebook-Gruppe oder durch eine vermeintliche Tierrechtsorganisation, Menschen bedienen sich gerne omnipräsent der „Meinungsmache“. 

Berater und Trainer, sicher nicht alle, aber doch die meisten, bedienen sich anerkannter und wissenschaftlich begründeter Methoden. Nicht weil wir der Meinung sind, dass diese besser sind, sondern weil wir es faktisch, aus Überprüfung, wissen. Dieses Wissen fällt einem aber nicht in den Schoß. Dafür braucht es Jahre des Studiums von Lehren, Methoden, wissenschaftlichen Arbeiten… , der praktischen Umsetzung und der Erfolgskontrolle und der ständigen Auseinandersetzung und Weiterbildung im Thema. Manches muss man auch revidieren, anderes anerkennen und immer wieder bereit sein Neues zuzulassen. Ich weiß, dass ich nicht alles weiß und jeden Tag Neues lernen möchte. 

In diesem Sinne, nichts für ungut und euren Vögeln zuliebe,
eure Claudia Schlüter

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie den Begriff "Papageientraining" hören?

Blogeintrag aus 2016 - übertragen 27. März 2019

Hier einmal kurz aufgeführt, was viele Papageienhalter denken, manche aussprechen und einige abschreckt: 

Mit Training werden den Vögeln Tricks beigebracht, die sie zum Clown werden lassen.
Es dient der Unterhaltung des Menschen.
Es nimmt den Vögeln ihre Würde.
Es ist unnatürlich.
Vögel müssen keine Tricks können, sich z.B. auf der Stange drehen.
Papageien werden fehlgeprägt*...!



Stimmt das?

Wir verstehen, dass man zunächst bei oberflächlicher Betrachtung diese Gedanken haben kann. Aber wir bitten Sie, sich etwas näher damit auseinanderzusetzen. Nehmen Sie sich etwas Zeit für diesen Beitrag. Es lohnt sich. 

Zunächst muss ich zugeben, dass der Begriff Training oder auch Papageientraining vielleicht etwas unglücklich gewählt ist. Ich sage Ihnen auch warum: Mit dem Begriff Training, bzw. Papageientraining assoziieren die meisten doch eher Anstrengung. Zugegeben - ohne einen gewissen Aufwand und Geduld geht es auch nicht. Aber es ist nicht so anstrengend, weder für Mensch, noch für den Sittich oder Papagei, wie man vermuten möchte. Im Gegenteil, es macht allen Beteiligten Spaß.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Tieren macht es Spaß zu trainieren. Zum einen bieten wir ihnen Abwechslung in einem, im Verhältnis zum Leben in freier Wildbahn, reizärmeren und somit auch von häufiger Langeweile geprägten Lebensumgebung.
Gerade Papageien besitzen ausgeprägte kognitive Fähigkeiten, die in der Natur dazu dienen, sich zum Beispiel im Schwarm zu integrieren und die Herausforderungen des Alltags zu meistern. Ihre Lernfähigkeit ist nicht erst seit Graupapagei Alex bekannt. Viele Papageienhalter wissen, wie klug ihre Vögel sind. Aber wer klug ist, langweilt sich auch schnell.

Und genau das erklärt auch schon ein Argument pro Training:
Wir bereichern den Alltag unserer Vögel und bieten ihnen Abwechslung, in dem wir uns sehr bewusst mit ihnen beschäftigen und dabei ihre Talente bzw. Fähigkeiten fördern. 

Und schon haben wir das zweite Argument pro Training:

Bewusster Umgang. Wenn wir beginnen uns ganz bewusst mit unseren Vögeln zu befassen, lernen wir ihre Körpersprache auch sehr viel besser kennen und verstehen die Signale, die uns unsere Vögel senden. Kommunikation entsteht.

Das ist aber kein "One-way" und eigentlich auch das dritte Argument pro Training. 


Training ist eigentlich nichts anderes, als den Vögeln in ganz kleinen Schritten zu helfen, auch uns zu verstehen. Training ist eigentlich also auch Kommunikation. Es fördert das gegenseitige Verständnis und schafft dadurch die Basis für ein gesundes Vertrauen.

Vertrauen fördern - Argument Nummer vier pro Training 

Möchten Sie auch das Vertrauen Ihrer Vögel gewinnen? 
Wussten Sie, das größte Hindernis für den Vertrauensaufbau sind die vielen kleinen Missverständnisse, die im Umgang mit unseren Sittichen und Papageien passieren, wenn wir ihre Körpersprache falsch interpretieren.

Training oder der bewusste Umgang mit unseren Vögeln setzt also auch voraus, dass wir ihre Körpersprache erkennen und richtig zu deuten wissen. Nicht nur unsere Vögel lernen, sondern wir auch, was ein weiteres Argument pro Training darstellt. 

Training dient also nicht dazu, dass wir unseren Vögeln aus egoistischen Gründen, etwa zu unserer eigenen Unterhaltung irgendwelche "Tricks" beibringen. Vielmehr wollen wir, dass Sie Ihre klugen Papageien viele Dinge lehren, die ihnen helfen, sich in einem unnatürlichen Lebensraum wie der Wohnungshaltung, zurecht zu finden. Lernen Sie Ihren Vögeln sinnvolle Dinge beizubringen, die ihnen den Stress nehmen und sie vor Gefahren zu schützen. 


Ein gut trainierter Papagei lässt sich beispielsweise abrufen und mittels Target auf einen anderen Platz schicken. Das klingt recht unspektakulär, ist aber gerade für Wohnungsvögel sehr wichtig. So können Sie vermeiden, dass Ihr Sittiche und Papageien das Mobiliar zerstören, oder was viel schlimmer ist, ein Stromkabel anfressen, dass sich nicht schnabelsicher verstecken lässt.

Ich kann Ihnen hier nicht alle Vorteile aufzählen, die man mit Training, bzw. dem bewussten Umgang mit den Vögeln gewinnt. Aber das wichtigste Argument ist: Es gibt keine Nachteile. 

Trainierte Papageien, dass ist wissenschaftlich bewiesen, sind gesünder. Ist ein Vogel auf die Situation zum Beispiel des Tierarztbesuches trainiert/vorbereitet, unterscheiden sich seine Blutwerte deutlich von denen eines nicht vorbereiteten Papagei. Stress ist also messbar. 

Aber was ist mit den Vögeln, die nicht so zutraulich und gelassen sind?

Wie wiegt man diese, wie bekommt man solche Vögel in eine Transportbox, wie kontrolliert man ihre Hautbeschaffenheit oder den Gefiederzustand? Kann man auch ihnen helfen, den Stresslevel zu senken? Ich kann das ganz klar mit einem Ja beantworten. Auch nicht handzahme Vögel können lernen eine Transportbox zu besteigen, auf eine Wage zu gehen oder den Menschen in anderen Situationen nahe an sich heranzulassen. 

Was wir mit den Tieren trainieren, hängt immer von der jeweiligen Situation und dem Bedarf ab. Training macht allen Vögeln Spaß, auch den Papageien und Sittichen, die nicht zahm sind. Man muss nur wissen, wie man sie überzeugen kann, dass es sich lohnt, sich auf unser Angebot einzulassen.

Übrigens, ist es nicht wirklich schwer zu lernen, mit Tieren wie Papageien zu trainieren. Sie müssen dafür kein Hochschulstudium absolvieren. Es ist keine Papageienflüsterei, kein Buch mit sieben Siegeln. Wir bieten Ihnen an, es bei uns zu lernen und helfen Ihnen gerne dabei.

Papageien werden in der Regel nur dann abgegeben, wenn ihre Haltung aus irgendeinem Grund zum Problem wird. Sehr oft gehören zu den Gründen dafür das Beißen, Schreien oder Rupfen. Trainierte Papageien haben keinen Grund (mehr) zu beißen oder (weiter) zu schreien und sie zeigen auch sehr viel seltener Verhaltensauffälligkeiten wie beispielsweise Rupfen.

Übrigens wir arbeiten auch, aber nicht ausschließlich mit dem Klicker. Ob der Klicker oder stattdessen ein verbales Signal wie z.B. "Fein" als Marker verwendet wird, entscheiden wir individuell nach Halter oder Papagei. Es gibt Menschen, die hervorragend mit dem Klicker arbeiten, es gibt aber auch Papageien, die völlig ungeeignet für dieses Hilfsmittel sind und sehr viel besser auf verbale Signale reagieren. Ich möchte noch anmerken, dass das Trainieren mit dem Klicker keinen Unterschied in der eigentlichen Methodik darstellt. Er ist ein Hilfsmittel, wie der Target auch und auch ersetzbar.

Wenn Sie Fragen haben, sich für den bewussten Umgang/Training mit Ihren Vögeln interessieren, wenn Sie mehr erfahren wollen, über z.B. Körpersprache oder "warum macht mein Vogel dieses oder jenes", wenn Sie beißende, schreiende oder einfach scheue Vögel haben, wir sind für Sie da. Wir haben schon vielen Papageienhaltern geholfen und freuen uns, wenn Sie wieder Freude oder einfach noch mehr Freude an Ihren Papageien erfahren.


Ihre Claudia Schlüter und Diana Danev

p.s. die beste Gelegenheit sich über all das intensiv zu informieren und die Grundlagen zu erlernen, life zu erleben, was möglich ist, wie sich trainierte Vögel verhalten, bieten unsere Workshops und Seminare.


*Fehlprägung beschreibt eine fehlende oder falsch besetzte Prägung, die für artspezifische Verhalten unerlässlich ist. Fehlt eine Prägung, etwa auf die Sexualprägung auf die eigene Art, sind Verhaltensstörungen die Folge. Meist ist dies irreparabel.



Wir sagen ganz klar "NEIN" zur Kastration!

07. Januar 2019

Immer wieder mal werden wir mit der Frage konfrontiert, ob es Sinn macht Papageien zur Verhaltensmodifikation, also zur Vermeidung oder zur Auflösung von Problemverhalten, zu kastrieren. Unsere einzige Antwort darauf lautet seit vielen Jahren: NEIN.

Bereits 2013 befasste ich mich mit der Thematik, weil ich es damals häufiger mit Kunden zu tun hatte, deren Vögel bereits sehr jung, eben aus dem Grund kastriert worden waren, aber dann doch Hilfe wegen Problemverhalten benötigten. Auch Züchter wandten sich an mich, weil sie verhindern wollten, dass Käufer mit den Jungvögeln schnurstracks nach München fahren wollten, um diese dort kastrieren zu lassen, weil man es so empfohlen hatte. Darunter auch ein seltenes Orangehaubenkakadu-Weibchen. Der Züchter trat vom Verkauf zurück und rettete so das Tier. Damals wandte ich mich an den Fond für bedrohte Papageien, das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft, den TVT e.V. , andere zuständige Institutionen und viele vogelkundige Tierärzte. Niemand konnte sich damals vorstellen, dass sich aus der Praktik eines Tierarztes ein Trend entwickeln würde. Ich war erschüttert und schrieb im März 2013 einen Artikel zum Thema, worin ich versuchte neutral diesen Eingriff zu beleuchten. (s.u.)

Warum ließen Menschen ihre jungen Papageien kastrieren?

Der Hintergrund war, dass man ihnen versprach, dass sie so niemals die typischen und häufig Probleme bereitenden Verhalten in der Balzzeit bei ihren Vögeln zu erwarten hätten. Ein zum Beispiel territorial aggressiver Papagei kann schon ganz schön unangenehm werden und entspricht nicht dem Bild, dass die meisten Menschen sich vom Zusammenleben mit ihren Vögeln erhoffen.

Aus unserer Erfahrung in der Arbeit mit Papageien und aus vielen wissenschaftlichen Studien in anderen Tiergattungen, wissen wir, dass die versprochene Verhaltensmodifikation per Laser nicht funktioniert. Außerdem sollte man wissen, wird ein Papagei erst kastriert, wenn er bereits geschlechtsreif ist, steigt das Operationsrisiko um ein Vielfaches und sobald er von dem Eingriff genesen ist, vorausgesetzt er überlebt, wird sich auch das problematische Verhalten wieder einstellen. Das kann aber dauern und der Operateur, ein vogelkundiger Facharzt aus dem Süden Deutschlands weiß das, denn der Eingriff ist extrem schmerzhaft und die Heilung dauert.

Wir sind Papageientrainer, beziehungsweise erklären Ihnen, wie Sie mit Ihren Vögeln arbeiten können, um problematische Verhalten wie zum Beispiel in der Balz- und Brutperiode zu vermeiden.  Wir erklären das Training und beraten Sie auch dahingehend, wie man mit natürlichen Verhalten umgehen kann, so dass sie im Zusammenleben zwischen Menschen und Vögeln kein Problem darstellen. Wer seriös die Verhaltensberatung betreibt, kann zu keinem anderen Ergebnis kommen, als die Kastration abzulehnen. Die wissenschaftlichen Beweise für die negativen Folgen sind erdrückend. Es gibt nur zwei Erklärungen, sich diesen zu verweigern. Erstens man hat keine Ahnung von Verhalten, wie sie entstehen und wie man mittels Shaping Verhalten formen kann und zweitens, es geht um Geld.

Und noch eines, wir wurden mit dem Vorwurf konfrontiert, wir würden Menschen diskriminieren, die ihre Vögel kastrieren lassen. Das tun wir nicht. Denn wir wissen, wären Sie vollumfänglich aufgeklärt gewesen, würden Sie niemals zustimmen, den Eingriff vornehmen zu lassen. Was wir tun ist, dass wir Kritik üben an einem Eingriff, der Tierschutz relevant ist, der gegen geltendes Tierschutzrecht in Deutschland verstößt.
Wir wissen auch, dass es für Laien ohne fachliches Hintergrundwissen sehr schwer ist, die Argumentation der Kastrationsbefürworter und ihre elegante Rhetorik zu durchschauen.

Würde ich meinen Artikel aus 2013 zum Thema Kastration heute noch einmal schreiben, würde er im Fazit nicht anders ausfallen, nur würde er mindestens viermal so lang werden. Der Grund ist, dass wir heute noch wesentlich mehr wissen über diesen Eingriff und seine Folgen, als vor sieben Jahren. Und alles was wir bis heute wissen, hat nicht dazu beitragen können, meine Meinung zu ändern, die übrigens auch 99,9% der Tierärzte in Deutschland vertreten.

Wir werden auch nicht aufhören, über diesen verbotenen, überflüssigen, gefährlichen und extrem schmerzhaften Eingriff aufzuklären. Ich bin auch ein bisschen Stolz, dass seinerzeit die Vorsitzende des Arbeitskreises Zoofachhandel & Heimtiere des TVT e.V. Daniela Rickert mein Anliegen angehört hatte, dass es sicher dienlich wäre, wenn der TVT e.V. eine Stellungnahme zur Kastration von Papageien abgeben würde. Es dauerte zwar ein Weilchen, aber dann kam die Stellungnahme und sie erklärt diesem Eingriff eine absolute Absage und bestätigt, dass es sich um einen tierschutzwidrigen Eingriff handelt. Die Stellungnahme ist hier zu finden: Klick 
ich möchte noch anmerken, dass ich mir von der Stellungnahme in ihrer Wirkung mehr versprochen hatte. Aber wenn Sie sich interessieren, dann finden Sie hier eine testiert Stellungnahme als Entscheidungshilfe, und wissen, dass wir mit unserem NEIN nicht falsch liegen. Es ist keine persönliche Vendetta, sondern ein weiterer Beleg für die Auseinandersetzung auf der Fachebene. 

Abschließend bitte ich Sie auch den nachfolgenden Artikel zu lesen. Sollte man Ihnen eine Kastration empfohlen haben oder empfehlen, holen Sie sich bitte bei einem anderen vogelkundigen Tierarzt, als jenem der zu dem Eingriff rät oder dafür empfohlen wird, eine zweite Meinung ein. Und sollte Ihr Vogel bereits kastriert sein, haben Sie bitte keine Vorbehalte gegen uns, die führen wir nämlich auch nicht gegen Sie. Das möchte man Sie vielleicht glauben machen, damit wir uns möglichst nie begegnen... , besonders nicht unvoreingenommen. Wir können Ihnen und Ihren Vögeln helfen und nur das ist unsere Intention. 

Ihre Claudia Schlüter





Kastrieren statt trainieren?!

Ein Artikel von Claudia Schlüter, bereits erschienen in der Papageienzeit Nr. 7 im Jahr  2013

 

 

Sporadisch taucht immer wieder das Thema Kastration von Papageien auf... 

Meistens wird im Zusammenhang von Verhaltensproblemen, wie zum Beispiel Aggression über Kastration nachgedacht.  Das Angebot sehr junger und bereits kastrierter Papageien wirft Fragen auf. Jedenfalls ist ihr Preis entsprechend hoch. Entspricht er auch der Leistung? Wer bezahlt letztlich die Rechnung?  Ist das Kastrieren eine echte Lösung, ein Gewinn für alle Beteiligten?  Was bewirkt eine Kastration tatsächlich?  Ist es wirklich wünschenswert, wenn sich junge Papageien asexuell entwickeln?  Gibt es Garantien für oder  Alternativen zum Eingriff?  Und in welchem Verhältnis steht man hier zum Artenschutz?  Wir versuchen diesen Fragen nachzugehen. Ist Kastration der Weisheit letzter Schluss?

 

Der Begriff Kastration (lat. castro, castratus) bedeutet schwächen, berauben, entnehmen. Landläufig versteht man unter einer Kastration die Entnahme der Gonaden, der Keimdrüsen (Hoden und Eierstöcke), welche nicht nur für die Produktion der Geschlechtszellen zuständig sind, sondern auch Hormone produzieren. Diese Methode ist, im Gegensatz zur chemischen Kastration mittels Hormonchip, endgültig. Deshalb hat eine Kastration weitreichende Aus-wirkungen auf den gesamten Organismus. Er wird nicht nur unfruchtbar, das Fehlen von Geschlechtshormonen wirkt auch auf weitere Funktionen von Organen und hormonbilden-den Drüsen. 

Sexualhormone wirken beispielsweise direkt auf den Hypothalamus, was zu einer Wechselwirkung auf Wachstum, Stimmung; und wie schon angesprochen, der Produktion anderer Hormone führt.

 

Widmen wir uns zunächst den anatomischen Gegebenheiten bei Papageien, welche die Kastration in ein anderes Licht setzen als bei Säugetieren. Bei Papageien finden wir durch-aus ein paar Besonderheiten. Bei weiblichen Vögeln, mit Ausnahme von Greifvögeln und dem braunen Kiwi, sind zwar genetisch zwei Eierstöcke angelegt, aber in der embryonalen Phase entwickelt sich nur das linke Ovar mit dem Eileiter zu einem funktionsfähigen Organ. Dieses liegt tief in der Körperhöhle des Vogels und ist am vorderen Nierenpol und unterhalb der linken Lunge platziert. Bei einigen Arten kann es dunkel gefärbt sein.

 

Bei männlichen Vögeln entwickeln sich beide Hoden aus. Sie liegen ebenso wie die weiblichen Keimzellen, in der Körperhöhle, und zwar seitlich der unteren Hohlvene, eng zur Nebenniere, Lunge und dem vorderen Bereich der Niere. 

Versorgt werden die Hoden über Nerven und Blutgefäße, die im Bauchfell liegen. Bei einigen Arten, besonders bei den weißen Kakadus sind die Hoden sehr dunkel gefärbt. 

 

Die Entfernung der extern liegenden Hoden von Säugetieren ist ein relativ einfacher Eingriff und verläuft meist komplikationslos. Aber der Eingriff in die Köperhöhle stellt an den Operateur eine andere Herausforderung, besonders dann, wenn man schon fast von Mikrochirurgie sprechen kann. 

Bei Vögeln wird eine Kastration heute in der Regel mittels Endoskop- und Lasertechnik vor-genommen. Der Eingriff per Laser ist aber nur in juvenilem Alter möglich. Der Eingriff mittels Endoskop ist gerade für Papageien sehr gut geeignet, weil sie weniger invasiv ist, als wenn die Bauchhöhle mit einem größeren Schnitt geöffnet werden muss. Für eine endoskopisch durchgeführte Kastration, also die Entfernung des Eierstockes oder der Hoden, werden bis zu drei Instrumentenzugänge benötigt. Die Instrumente durch  wenige Millimeter große Bauchschnitte geführt.  In der Mitte liegt das Sicht gebende Endoskop, rechts und links kommen dann chirurgische Instrumente (Elektrokauter) zum Einsatz, mit welchem Blutgefäße verschweißt werden können. Auch bei drei kleinen Einschnitten ist das OP-Trauma eines endoskopisch durchgeführten Eingriffs wesentlich geringer, als bei einer konventionellen Öffnung der Bauchdecke.

 

Neben dem Risiko, das es zu einer Verletzung der Organe oder gar der Bauchaorta kommt und der Papagei verblutet, birgt natürlich auch die Vollnarkose, bei Papageien wird ein Narkosegas verwendet, Risiken. Die Möglichkeit, ähnlich wie in der Medizin bei Säugetieren oder Menschen, z.B. die Herztätigkeit und den Blutdruck des Patienten während des Eingriffes zu überwachen und auch einen Zugang für die direkte Verabreichung von Medikamenten zu legen, hat die Sterberate  bei kurzen Eingriffen im Verhältnis zu Operationen, die auf diese Überwachung verzichten, nicht verbessert. Es scheint, dass immer noch die Dauer der Narkose für das Ergebnis maßgeblich ist. Weshalb viele vogelkundige Tiermediziner inzwischen wieder auf die Überwachung bei kurzer Operationsdauer verzichten und stattdessen auf eine möglichst kurze Eingriffsdauer setzen, um das verbleibende Narkoserisiko zu senken.

 

Die chemische Kastration erfolgt mittels Hormon-Implantat. Auch dieser Eingriff erfolgt unter Vollnarkose, ist aber weit weniger invasiv und umkehrbar. Das Ganze braucht nur wenige Handgriffe und ist mit dem Implantieren eines Transponders vergleichbar und in wenigen Minuten erledigt. Wird eine Kastration in Erwägung gezogen um hormonell gesteuert aggressives Verhalten zu minimieren, beziehungsweise aufzuheben, kann diese Methode eine gute Alternative sein, um zu prüfen, ob es überhaupt zu der vom Halter erwünschten Veränderung kommt. Doch auch hier ist die Wirkung nicht vorhersehbar, aber das Risiko weit geringer. 

 

Warum kann man nicht mit Bestimmtheit vorhersagen, ob ein Eingriff mittels Hormon-Implantat oder Entfernung der Gonaden den gewünschten Erfolg bringen wird? 

 

Dazu muss man wissen, das Verhalten derart komplex ist, dass man es selten mit Bestimmtheit an einer einzigen Ursache festhalten kann. Und selbst wenn, ist das nicht gleichbedeutend, dass ein gezeigtes Verhalten an eine Ursache gebunden bleibt. Verhalten wird, selbst wenn es von inneren Einflüssen oder Auslösern gesteuert wird,  auch immer auf Umweltreize, also äußere Einflüsse und Auslöser reflektieren. Es kommt ständig zu bewussten und unbewussten Lernprozessen und es werden neue Auslöser verknüpft. Will man also ein hormonell ausgelöstes Verhalten verändern, spielt neben dem Lernverhalten auch der Zeitpunkt eine Rolle.

Das gilt auch bei unseren Vögeln. Je früher der Eingriff vorgenommen wird, desto weniger wird sich sexuell typisches Verhalten manifestieren können. Kastriert man also „unreife“ Vögel, entwickeln sie sich vermutlich asexuell bzw. bleibt das sexuell angelegte Verhaltensrepertoire unter entwickelt. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass dies auch Auswirkung auf Paarbildungs- und Bindungsverhalten haben wird. Allerdings entsteht der Wunsch nach Kastration bei Papageien bei deren Haltern oft erst, wenn diese bereits ein „Problemverhalten“ zeigen, zum Beispiel territorial aggressiv reagieren. Natürlich gibt es auch andere Verhalten, die dem Geschlechtstrieb geschuldet sind und Probleme bereiten können. Unter Berücksichtigung wie Verhalten entsteht und wie es beeinflusst wird, muss man sich fragen, ob ein später Eingriff noch den gewünschten Erfolg haben wird? Diese Einschätzung ist schwer. Besonders, wenn Verhalten nur beschrieben und nicht beobachtet wird. 

 

Vor diesem Problem stehen viele Tierärzte und raten von der Kastration ab oder empfehlen erst einmal den Versuch mittels Hormonimplantat. Zum Wohl ihrer Patienten haben sie auch das Operationsrisiko im Blick. Außerdem gibt es noch keine Studien, wie sich das Entfernen der Gonaden langfristig auf die körperliche Gesundheit der Vögel auswirken wird. Selbst heute ist das komplexe Zusammenspiel von Hormonen noch nicht vollkommen entschlüsselt.  Gerade in der Vogelmedizin gibt es immer noch großen Forschungsbedarf. Vögel sind eine Spezies für sich und nicht nur aufgrund ihrer besonderen Anatomie. 

 

Doch was tun, wenn der Umgang mit den geliebten Vögeln schwierig wird? Was wenn das prächtige Edelpapageienweibchen ständig in seiner Höhle sitzt und man es kaum zu Gesicht bekommt... 

 

Immer wieder werden gerade Papageien dieser Arten früh kastriert angeboten. Manchmal richtet sich sexuell aggressives Verhalten auch gegen die eigenen Artgenossen.

Das kann z.B. geschehen, wenn es sich nicht um ein tatsächliches Pärchen handelt, und/oder Platzmangel herrscht und/oder es sich um gleichgeschlechtliche Papageien handelt. 

Bei einigen Arten, besonders Kakadus, kommt es immer wieder, sogar bei langjährigen Paaren zu aggressivem Verhalten dem Partner gegenüber. Meist in der Balzzeit, aber auch wenn das Paar bereits Nachwuchs hat. Die Rede ist von den gefürchteten Gattenmorden. Die sowohl weibliche, als auch männliche Vögel begehen können. 

 

Was also tun, wenn tatsächlich sexuell gesteuertes Verhalten zum Problem wird?

 

Statt zu kastrieren, könnte man in der „heißen“ Phase der Hormone, die Haltung anpassen und versuchen den engeren Kontakt auf ein Mindestmaß, also rein auf die Versorgung und Beobachtung zu reduzieren. Erfahrungsgemäß ist der Spuk nach wenigen Wochen vorbei. Dazu benötigt man aber ausreichend Platz. Es wäre also sinnvoll bei der Anschaffung von Papageien den Platzbedarf, auch im Hinblick auf die Brutperiode, großzügiger einzuschätzen, selbst wenn man nicht züchten möchte. 

 

Ebenfalls sinnvoll ist es bereits in der Vorbereitung auf eine Papageienhaltung bei der Auswahl der Art auch deren spezifisches Verhaltensrepertoire zu berücksichtigen. Wenn ich weiß, dass weibliche Edelpapageien mit Eintritt in die Geschlechtsreife an ihren Nisthöhlen „kleben“, kann ich vorher überlegen, ob dieses Verhalten für mich ein Ausschlusskriterium darstellt, weil es sich nicht mit meinen Interessen deckt.  Die Edeldame, die ihren Eierstock behalten darf, ist sicherlich dankbar dafür. Gleiches gilt natürlich auch für die Männchen, die ihre Hoden behalten dürfen und überhaupt auch andere Arten. Man kann schon sagen, dass es hier Unterschiede gibt und manche Papageien in der Brutperiode heftiger agieren als andere.

 

Eine zusätzliche Alternative wäre mit den Vögeln schon bald nach der Anschaffung bestimmte Trainings zu beginnen. Dazu gehört auch das Target-Training, welches ein Handling ermöglicht, auch wenn Distanz nötig ist. Mittels Training kann man zwar die Wirkweise der Hormone nicht beeinflussen, aber je nach Festigung können wir durchaus mit den Trieben konkurrieren. Wenn die Papageien frühzeitig erwünschte Verhalten lernen, diese durch viele Wiederholungen und positive Lernerfahrungen gefestigt werden, wird auch das Vertrauen soweit aufgebaut sein, dass Papageien uns in ihrem Revier dulden, sogar wenn sie Nachwuchs haben. Es gibt Züchter, die ohne Probleme in die Nisthöhle von Kakadus oder Amazonen greifen können um Eier oder den frisch geschlüpften Nachwuchs in Augenschein zu nehmen. 

Fairerweise muss man sagen, ist es natürlich viel einfacher das Vertrauen junger und unverdorbener Papageien zu gewinnen. Papageien mit entsprechenden Vorerfahrungen können aber auch dazu lernen, es braucht nur mehr Geduld und Kenntnis. Der Schlüssel hier ist die Vertrauensbildung durch positive Verstärkung. Dann können Papageien lernen, sich auch gegen ihr natürliches Verhalten zu verhalten, ohne dass sie dabei Schaden nehmen und es zu einer ungünstigen Prägung kommt. Dieser bewusste Umgang mit den Vögeln wird inzwischen selbst im Profibereich angewandt. Hier geht es meist darum den Stress bei notwendigen Gesundheits- oder Zuchtkontrollen für die Tiere zu minimieren. 

 

In der privaten Haltung kommt ein weiterer Aspekt hinzu, Training verbessert die Lebensqualität für alle Beteiligten, weil es zu größerer Bewegungsfreiheit beiträgt. 

Nicht selten verbringt mancher Papagei Wochen und Monate im kleinen Käfig, weil er seinen Hormonen folgt und so zu einer Gefahr für seine menschlichen Mitbewohner wird. Das Trainieren erfordert aber nicht nur Geduld, sondern auch Zeit. Viele Papageienhalter fühlen sich hierin und in der Vorgehensweise schnell überfordert. Hinzu kommt, dass viele auch gar nicht so recht wissen, wie Training mit Papageien aussehen kann, an wen man sich am besten wendet, um es zu lernen. Eine einheitliche Berufsausbildung, beziehungsweise Grundlage ist hier noch Zukunftsmusik. 

 

Bei dem Thema Kastration gilt es einen weiteren Aspekt nicht aus den Augen zu verlieren. Papageien gelten als die am meisten bedrohte Spezies auf der Welt. Viele Papageien sind in ihren natürlichen Lebensräumen akut bedroht. Organisationen wie der „Fonds zum Schutz bedrohter Papageienarten“ kämpfen für den Artenschutz und Erhalt.  Jeder Papagei der kastriert wird, steht seiner Art für deren Erhalt nicht mehr zur Verfügung. Selbst Papageien, die noch relativ stabile Populationen haben, sind nicht sicher. Morgen schon kann auch ihr Bestand schrumpfen. Naturkatastrophen, Lebensräume werden immer kleiner, Krankheiten werden eingeschleppt, neue entstehen. Schon aus diesem Grund kann, jetzt einmal ganz persönlich gesprochen, eine Kastration von einem echten Papageienliebhaber kaum in Erwägung gezogen werden.

 

Als einzige Ausnahme für den operativen Eingriff kann man mit gutem Gewissen höchstens medizinische Gründe wie Tumore oder andere lebensbedrohende Erkrankungen geltend machen. Die Ausnahme sind Kastrationen an männlichen Papageien, die in Arterhaltungs-programmen als Ersatzpartner, Sexual-Surrogate eingesetzt werden. Stehen hier nicht genügend männliche Vögel der eigenen Art zur Verfügung, wird ein Weibchen auch artfremd verpaart. Damit kein Hybridnachwuchs entsteht, werden die männlichen „Ersatzpartner“ sterilisiert. Dieser Eingriff macht die Männchen zwar unfruchtbar,  aber typisches Sexualver-halten wie z.B. der Tretakt bleibt erhalten. Das ist wichtig um die weiblichen Vögel weiterhin zu stimulieren, ihre Paarungsbereitschaft und ein natürliches Brutverhalten zu erhalten. Die Küken entstehen dann durch künstliche Befruchtung mit Samen der eigenen Art. So kann ein männlicher Vogel, der bereits verpaart ist, auch bei anderen weiblichen Vögeln seiner Art erfolgreich zum Arterhalt beitragen. Dies ist erst möglich, dank der Fortschritte in der Erforschung der künstlichen Befruchtung.

 

Fazit: Für das Wohl seiner Papageien ist jeder Halter selbst verantwortlich, ebenso wie jeder Tierarzt entscheidet, welchen Eingriff er für sinnvoll erachtet. Auch Züchter und Händler tragen eine Verantwortung und bestimmen, wo sie ihre Interessen sehen. Die Gesetzgebung in Deutschland besagt, dass unnötige Entfernen von Körperteilen bei Tieren ist ohne medizi-nische Notwendigkeit verboten... 

 

 

Ich bedanke mich an dieser Stelle für die freundliche Unterstützung des Artikels bei Dr. Gerd Britsch und Dr. Daniel Neumann.

Weitere Quellen: Prof. Dr. Michael Lierz Universität Gießen